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Binge Eating, selten erkannte Essstörung

Wenn von Essstörungen die Rede ist, denken die meisten Menschen zuerst an Bulimie oder Magersucht. Neben diesen gefährlichen Krankheiten gibt es eine weitere Störung, die Binge Eating Disorder oder Binge Eating Störung genannt wird und die ebenso gefährlich für die Betroffene oder den Betroffenen ist.

Was ist Binge Eating?

Das englische Wort „binge“ bedeutet übersetzt „Gelage“. Der Name der Krankheit fasst das Erscheinungsbild dieser Störung daher schon gut zusammen: Binge Eating ist ein Essensgeplage – oder viel mehr Fressgelage. Es handelt sich um eine Essstörung, die dafür sorgt, dass die betroffene Person plötzlich Heißhungeranfälle bekommt, denen sie nicht widerstehen kann. Dabei werden meist fetthaltige und süßliche Speisen bevorzugt; Gemüse und Obst werden nur äußerst selten Opfer eines solchen Anfalls.

Im Gegensatz zur Bulimie wird bei der Binge Eating Störung das Verzehrte anschließend nicht wieder erbrochen. Auch ein exzessives und extremes Sporttreiben entfällt komplett. Das hat zur Folge, dass Binge Eating langfristig zu schweren Gewichtsproblemen führen kann. Während Bulimie etwa häufig zur Gewichtsabnahme führt, leiden die meisten Patienten der Binge Eating Disorder unter mehr oder weniger stark ausgeprägtem Übergewicht.

Welche Kriterien müssen für die Binge Eating Disorder erfüllt sein?

Die Person muss mindestens zwei Essanfälle pro Woche erleiden, und das über einen Zeitraum von zumindest sechs Monaten. Außerdem muss ein solcher Anfall auch wirklich einem Anfall gleichkommen. Das heißt: Speisen werden eher geschlungen als gegessen, das Sättigungsgefühl setzt für die Dauer des Anfalls komplett aus und der Auslöser des Anfalls war nicht der normale Hunger. Zusätzlich empfinden die Patienten das Binge Eating niemals als positiv, sondern leiden jedes Mal darunter. Diese starken Schuldgefühle können in Extremfällen auch zu schweren Depressionen führen.

Wie bei der Bulimie verschweigen auch die Betroffenen der Binge Eating Disorder, dass sie von plötzlichen Heißhungeranfällen heimgesucht werden. Selbst enge Freunde und die Familie werden selten – meist erst dann, wenn es unübersehbar ist – eingeweiht. Für Außenstehende ist diese Essstörung nur schwer zu erkennen, Betroffene magern nicht ab und eine Gewichtszunahme wird von vielen nicht so gedeutet, dass der Betroffene ein wirkliches Problem hat. Fallen bei Bekannten, Freunden oder Kollegen Verhaltensweisen auf, die diese vorher nicht an den Tag legten, so sollte man sie darauf ansprechen – ganz gleich, ob eine Binge Eating Störung, eine andere Essstörung oder gar eine Sucht vermutet wird. Das empfiehlt auch Rüdiger Meierjürgen von der Krankenkasse Barmer GEK. In einem Bericht in der Online-Ausgabe der Westfälischen Zeitung sagt er unter anderem:

„Entdecken Mitarbeiter bei einem Kollegen Anzeichen für eine Essstörung, sollten sie ihn darauf ansprechen. Denn womöglich führe ein solches Gespräch dazu, dass der Mitarbeiter sich Hilfe sucht.“

Hier geht es zum ganzen Bericht mit weiteren Tipps, wie man Menschen im eigenen Umfeld helfen kann, wenn man eine Essstörung oder Sucht vermutet: Kollegen auf mögliche Essstörung ansprechen

Wie entsteht die Binge Eating Störung und wie lässt sie sich behandeln?

Die Ursachen des Binge Eatings sind nicht vollständig geklärt. Als sicher gilt, dass das Problem psychischer Natur aus. Die Betroffenen berichten meist, dass Stress, Langeweile und negative Gefühle im Allgemeinen der Auslöser der Anfälle ist. Während des Anfalls selbst werden diese Gefühle dann unterdrückt, wobei sie sich im Nachhinein wieder neu einstellen – ein Teufelskreis.

Als Therapie wird natürlich angestrebt, das Essverhalten des Patienten auf ein normales Maß zu reduzieren. Dies wird vornehmlich durch eine Behandlung der psychischen Probleme des Patienten versucht, da sie als gesicherter Auslöser der Störung gilt und somit bei einer Beseitigung ebenjener Missstände auch die Binge Eating Störung heilen sollte.

  1. Carla #

    An Bulimie oder Magersucht habe ich auch sofort gedacht als ich von Essstörung gelesen habe. Die Binge Eating Disorder war mir absolut unbekannt und ich habe erst hier davon erfahren. Also danke dafür.
    Ich finde es wichtig, dass definiert wird, ab wann man von einer Essstörung spricht.
    beste grüße

    Oktober 12, 2011
  2. Simone Happel #

    Ich finde es gut, dass es diesen Post über Binge Eating gibt. Denn es ist die Essstörung, die häufig gar nicht als solche erkannt wird. Wie bei den anderen Essstörungen sind die Ursachen vielfältig und auch die Lebensmittelwahl spielt eine Rolle.

    zu @Carla: Definieren, ab wann genau man eine Essstörung hat, ist sehr schwierig, denn es ist individuell. Meist merkt man erst, dass man eine hat, wenn man schon sehr tief darin gefangen ist. Generell ist es so, dass das Leben von Essgestörten von den Gedanken um Essen bzw. Nicht-Essen und Gewicht beherrscht wird und die Stimmung mit der kg-Zahl steigt und fällt…

    LG Simone

    März 12, 2012

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